Die ELEA-Studie im Überblick

Titel der Studie

Einfluss auf die Lebensqualität durch die Endo-App: multizentrische, randomisierte kontrollierte Studie (ELEA)

Studientyp

Multizentrische, offene, randomisierte, kontrollierte Studie

Studienleiter

Dr. med. Sebastian Daniel Schäfer
Leitender Oberarzt
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Albert-Schweitzer-Campus 1
48149 Münster

Sponsor

Endo Health UG
(Dr. med. Nadine Rohloff)
Theaterstrasse 56
09111 Chemnitz

PICO Schema

Patient/Population: Frauen zwischen 18-45 mit diagnostizierter Endometriose (N80 – N80.9) in Deutschland.
Intervention: Aktive Nutzung der Endo-App in einem Zeitraum von 90 Tagen als Zusatz zur laufenden Behandlung
Comparison: Keine Nutzung der Endo-App in einem Zeitraum von 90 Tagen als Zusatz zur laufenden Behandlung.
Outcome – Behandlungsziel: Verbesserte Lebensqualität gemäß Endometriosis Health Profile (EHP) 30 Summary Index

Primärer Endpunkt

EHP Summary Index

Primärhypothese

Die Interventionsgruppe hat eine größere Verbesserung der Lebensqualität im Vergleich zur Kontrollgruppe gemäß EHP Summary Index Change Score.

Sekundäre Endpunkte

Verbesserung der einzelnen Domänen des EHP:

„Schmerz“

„Kontrolle und Hilflosigkeit“

„emotionales Wohlergehen“

„soziale Unterstützung“

„Eigenwahrnehmung“

„Arbeit“

„Geschlechtsverkehr“

„Behandlung“

Sonstige Endpunkte

Verbesserung des EHP Summary Index und/oder der Domänen nach 30 Tagen

Verbesserung des EHP Summary Index und/oder der Domänen nach 60 Tagen

Korrelation der Verbesserung des EHP Summary Index mit der Nutzungsintensität

Verbesserung der oben genannten Endpunkte für die Subgruppe „Per-Protocol“

Geplante Dauer

08/2021-08/2022

12 Monate

  • 6 Monate Rekrutierungszeit
  • Je Teilnehmerin 3 Monate Intervention
  • 3 Monat Auswertung

Einschlusskriterien

  • Geschäftsfähig
  • Wohnhaft in Deutschland
  • Weibliches Geschlecht (es zählt das Geburtsgeschlecht)
  • Alter über 18 Jahre
  • Histologisch gesicherte Diagnose Endometriose (N80.0-N80.9)
  • Smartphone-Besitz und Smartphone-Kompetenz
  • Internetzugang und Willen Fragebögen im Internet auszufüllen
  • Motivation zur regelmäßigen Nutzung der App
  • Symptome außerhalb der Fertilität vorhanden
  • Ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache
  • Keine Schwangerschaft bekannt oder in den nächsten drei Monaten geplant
  • Keine Kinderwunschbehandlung in den letzten oder nächsten 90 Tagen
  • Keine gleichzeitige Teilnahme an anderen Inventionsstudien
  • Keine geplante Therapieänderung der Hormontherapie oder geplante Operation in den nächsten 90 Tagen
  • Keine schweren anderen Erkrankungen, die die Lebensqualität subjektiv aktuell stärker beeinflussen als die Endometriose, wie z.B. Krebserkrankung

Ausschlusskriterien

Alle Personen, die nicht alle Einschlusskriterien erfüllen

Randomisierung

Stratifizierte Blockrandomisierung nach 8 Strata anhand der dichotomen Merkmale:

1. Operative Endometriose Sanierung in den letzten 3 Monaten

2. Aktuelle Hormontherapie

3. Rehabilitation oder multimodale Schmerztherapie in den letzten 6 Monaten

Geplante Fallzahl

472 auswertbare Fälle für eine Power von 90%

(jeweils 236 in Interventionsgruppe und in Kontrollgruppe)

Die Rekrutierung wird entsprechend der Dropoutrate angepasst.

Auswertungsmodalität für die Primärhypothese

Intention-to-Treat (ITT) mit Complete-Case Analyse

Auswertung der Primärhypothese:
paarweiser Gruppenvergleich zwischen Kontroll- und Interventionsgruppe mittels nichtparametrischen zweiseitigen Mann-Whitney-U-Tests für unverbundene Stichproben

Signifikanzniveau 5%

Power 90%

Beteiligte Zentren

Endometriosezentrum der Frauenklinik des Universitätsklinik Münsters (ca. 600 Endometriosepatientinnen je Jahr)
Frauenarztpraxen und weitere Endometriosezentren werden über Fachgesellschaften und die Stiftung Endometrioseforschung angeworben.

Ablauf der Studie

Den Einschlusskriterien entsprechende Patientinnen werden in den Studienzentren im Rahmen des klinischen Alltags auf die Möglichkeit der Teilnahme hingewiesen. Ergänzend wird auch in Print- und Onlinemedien die Studie bekanntgegeben.

Sofern Interesse an einer Teilnahme besteht, erfolgt die Aufklärung mittels des Aufklärungsbogens. Wenn die Patientin möchte, kann sie in die Teilnahme an der Studie einwilligen. Sie füllt dann die Stammdaten aus. Über den Stammdatenbogen wird eine Pseudonymisierung der Teilnehmerinnen ermöglicht, da der Stammdatensatz eine Teilnahme-Nummer beinhaltet.

Eine Zurückführung der Angaben der Teilnehmerin auf ihre Person ist nur durch Zusammenführen des analogen Stammdatenbogens mit den Antworten aus den Befragungen möglich. Beide Datensätze werden strikt getrennt voneinander verwahrt.

Die Teilnehmerin findet in den Teilnahmeunterlagen neben der Aufklärung auch ihren individuellen Teilnahme-Link. Sie ruft diesen anschließend auf und beantwortet die erste Befragung zur Lebensqualität gemäß standardisiertem EHP-30 und Zusatzdomänen.

Nach Abschluss der Befragung wird sie zentral randomisiert– das heißt unabhängig von dem Zentrum – in die Kontrollgruppe oder Interventionsgruppe eingeteilt.[1]

Sofern sie Teil der Inventionsgruppe ist, erhält sie eine detaillierte Anleitung zur Installation und Aktivierung der Endo-App. Das medizinische Personal unterstützt die Patientin hierbei, falls notwendig. Bei technischen Problemen ist der Hersteller über die Supportwebseite grundsätzlich mit einer Antwortzeit von unter 24 Stunden erreichbar.

Nach 10 Tagen erhalten die Patientinnen eine E-Mail mit Erinnerung an den weiteren Ablauf. In der Interventionsgruppe wird zusätzlich abgefragt, ob die App installiert wurde und Hilfe bei Problemen angeboten.

Unabhängig von der Einteilung in die jeweilige Gruppe wird die Patientin automatisch 30, 60 und 90 Tage im Anschluss jeweils wieder gemäß dem EHP befragt.

Nach Abschluss der Studienteilnahme können die Teilnehmerinnen der Interventionsgruppe die Endo-App nach eigenem Ermessen weiter nutzen. Zudem erhalten die Patientinnen der Kontrollgruppe nach Abschluss der Studienteilnahme die Möglichkeit, ebenfalls die Endo-App zu nutzen. Diese Nutzung ist nicht mehr Gegenstand der hier beschriebenen Studie und wird entsprechend nicht von Befragungen begleitet.

Aufgrund der sukzessiven Rekrutierung findet dieser Ablauf für jede individuell statt, das heißt die Teilnehmerinnen starten am Tag der Rekrutierung. Somit sind die Zeitpunkte t=0 (Initialbefragung) bis t=90 (Abschlussbefragung) als individuelle Zeitpunkte zu sehen. Verschiedene Teilnehmerinnen können sich am gleichen Datum an unterschiedlichen Studienteilnahmetagen befinden.


[1] Der Zufallsgenerator ist ein funktionaler Baustein des Fragebogens. Es wird mit der gleichen Wahrscheinlichkeit entweder „Kontrollgruppe“ oder „Interventionsgruppe“ gezogen.  Der gezogene Wert wird im Datensatz des Fragebogens gespeichert.  Der Zufallsgenerator ist so konfiguriert, dass beide Gruppen gleich häufig gezogen werden, es ist aber keine fest vorgegebene Reihenfolge (bspw. im direkten Wechsel).

Zeitplan der Studie

Voraussichtlicher StartzeitpunktVoraussichtliche Dauer in Monaten
Voraussichtliche Dauer der Studie (Rekrutierung bis Ende der Auswertung / Veröffentlichung[1])10/202112
Rekrutierungsphase10/20216
Dauer der Datenerhebung10/20219
Auswertungsphase08/20223
Dauer der Studie pro Teilnehmerin3

Durch die sukzessive Rekrutierung können die Teilnehmerinnen maximal 6 Monate versetzt mit der Studie beginnen.


[1] Eine Veröffentlichung in einem peer-reviewed Journal ist geplant. Daher ist eine zeitliche Abschätzung wann der peer-Review- und Veröffentlichungsprozess beendet ist schwer abschätzbar und kann deutlich abweichen. Eine Veröffentlichung auf der Webseite des Herstellers wird ebenfalls vorgenommen.

Hintergrund des Gesamtprojektes

Schätzungsweise 1,7 Millionen Frauen in Deutschland leiden an Endometriose. Man geht von ca. 40.000 Neudiagnosen jährlich aus (27).

Diese Erkrankung führt zu einer Reihe von Symptomen, die die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Als Leitsymptom liegen häufig besonders starke Schmerzen während der Periode, aber auch unabhängig davon, vor. Je nach Lokalisation kommen funktionelle Beschwerden und Begleiterscheinungen hinzu. Je stärker die Schmerzen, desto stärker ist die Lebensqualität eingeschränkt (21).

Aufgrund der langen Diagnosezeit, der Unklarheit der Kausalität sowie hohen Rezidivraten bei den aktuellen Therapien wird die Endometriose als chronische Erkrankung gesehen (27, 56). Aufgrund der langanhaltenden Schmerzen kommt es zudem zu komplexen neurologischen Veränderungen, welche zur Chronifizierung der Schmerzen führen (7, 13).

ExpertInnen der deutschen Schmerzgesellschaft sind sich einig, dass es empfehlenswert ist, PatientInnen bei chronischen Schmerzen jedweder Ätiologie an Maßnahmen heranzuführen, mit denen sie sich selber helfen können (4). Über die konkreten Maßnahmen gibt es verschiedene Ansichten, die auch je nach Krankheit variieren. Bewegungstherapeutische, ernährungstherapeutische und informierende Konzepte sowie Stressreduktion und Symptomtagebücher werden als universell gültige Möglichkeiten genannt (17).

Von ForscherInnen, behandelnden ÄrztInnen und Patientinnen wird international und auch in Deutschland ein ganzheitlicher Behandlungsansatz für Endometriose-Betroffene gefordert, der die Verbesserung der Lebensqualität der Patientinnen in den Mittelpunkt stellt. Dabei werden vor allem auch psychologische Aspekte und Faktoren des Wohlbefindens genannt, die massiv von Schmerzen und anderen Symptomen wie Fatigue und Magen-Darm-Beschwerden beeinflusst werden (5, 33). Neben der kausalen Therapie ist also auch eine supportive Unterstützung und Hilfe zur Selbsthilfe notwendig.

Auch die aktuelle Leitlinie zur Therapie und Diagnostik der Endometriose hebt die Bedeutung hervor.

„Zur Bewältigung der körperlichen und seelischen Probleme, die auf Frauen mit Endometriose zukommen können, sollen Patientinnen über die Angebote der Selbsthilfe informiert werden. Die Teilnahme von Frauen mit Endometriose an strukturierten Schulungen oder Informationsveranstaltungen sollte angeregt und unterstützt werden.“ (56)

Die meisten der im Vorfeld genannten, ganzheitlichen Therapieergänzungen und Selbstmanagementstrategien müssen von den Betroffenen im Alltag selbst durchgeführt werden. Der Zugang zu multimodaler Therapie ist allerdings in Deutschland eher schwer möglich. In einer Umfrage der Endo Health UG gaben nur unter 3% der Betroffenen an, eine Rehabilitationseinrichtung besucht zu haben (53). Ambulante multimodale Schmerztherapie ist noch seltener verfügbar. Für andere Erkrankungen mit chronischen Schmerzen konnte bereits gezeigt werden, dass Smartphone-Apps diese Therapieergänzungen zu Hause anleiten und dabei Schmerzen, Symptome und den Umgang mit der Krankheit positiv beeinflussen können (42). Auch der Umgang mit chronischen Erkrankungen wird bereits durch Selbstmanagement digital unterstützt (1).

Daher ist es wahrscheinlich, dass eine mobile Applikation per Smartphone eine geeignete Unterstützung zur Verbesserung der Lebensqualität bei Endometriose sein kann.

Die Lebensqualitätsverbesserung im Alltag durch Informationen und Hilfe zur Selbsthilfe, multimodale Schmerztherapie sowie der niederschwellige Zugang aller Patientinnen zu spezialisierter und interdisziplinärer Unterstützung sollte eines der obersten Ziele der Endometriose Therapie sein (3–5, 24, 26).

Um ein solches Konzept spezialisiert auf die Endometriose anzuwenden hat die Endo Health UG ein App-basiertes Medizinprodukt entwickelt. Diese spezifische App wird im Folgenden gemäß ihrem Eigennamen als Endo-App bezeichnet. Eine Lebensqualitätsverbesserung bei Betroffenen mit Endometriose ist das Ziel der Endo-App als ganzheitliche Behandlungsunterstützung.

Anmeldung zur ELEA-Studie

Möchten Sie mit Ihrer Praxis oder als Schulungszentrum an der Studie teilnehmen, dann melden Sie sich bitte hier an: